Card Sorting

Beschreibung

Mit Hilfe dieser Methoden können Objekte z.B. Inhalte, Angebote und Funktionen sortiert und gegliedert werden. Die direkte Einbeziehung der Zielgruppe ist möglich.

Beim einem offenen Card Sorting werden die Objekte gegliedert und passende Kategorien gebildet. Sind die Kategorien bereits vorgegeben und die Probanden sortieren die Objekte in diese ein, spricht man von einem geschlossenen Card Sorting.

Beide Varianten lassen sich sowohl in Einzelsitzungen, als auch als Gruppenarbeit durchführen. Bei Einzelsitzungen sortieren die Probanden die Objekte einzeln und unabhängig voneinander. Wird das Card Sorting mit Gruppen durchgeführt, werden bis zu 6 Probanden gleichzeitig mit der Sortierung und ggf. Kategorisierung betraut.

Voraussetzungen

Grundlage für diese Methode ist, dass alle Objekte, die sortiert oder kategorisiert werden sollen, bekannt sind und benannt werden können.

Nutzen

Das Ergebnis dieser Methode sind intuitive Strukturen und Architekturen. Card Sorting kann das Projektteam auch bei der Entscheidung für oder gegen Redundanzen unterstützen. Zusätzlich können während der Durchführung Erkenntnisse über Benennungen und Begriffe gewonnen werden.

Herausforderungen

Die Objekte müssen klar und verständlich beschrieben sein, damit die Probanden sie sinnvoll einsortieren können. Der Umfang an Objekten verhindert häufig, dass alle berücksichtigt werden können. In diesem Fall kann die Auswahl geeigneter Objekte zur Herausforderung werden. Wie bei jeder Methode mit Nutzerbeteiligung, ist die Auswahl repräsentativer Probanden für das Ergebnis entscheidend.

Exemplarischer Ablauf

  1. Vorbereitung
    Zunächst müssen alle Objekte gesammelt werden. Im Anschluss wird entschieden, welche beim Card Sorting berücksichtig werden sollen – ideal sind 50 bis 60 unterschiedliche Objekte aus verschiedenen Bereichen. Jedes Objekt muss sinnvoll benannt werden und z.B. auf eine Karte geschrieben werden. Ist die Benennung allein nicht aussagekräftig, sollten zusätzliche Erklärungen erstellt werden; diese können z.B. auf der Rückseite der Karte untergebracht werden.
    Sind Redundanzen erwünscht bzw. soll dies überprüft werden, sollten alle Objekte doppelt oder besser dreifach zur Verfügung stehen.
    Für ein geschlossenes Card Sorting müssen zusätzlich die Kategorien festgelegt und aussagekräftig benannt werden.

    Für alle Varianten dieser Methode sollten mindestens 12 Probanden akquiriert werden. Für die Durchführung in Gruppen muss eine sinnvolle Zuordnung der Teilnehmer erfolgen – um so heterogener die Gruppe aufgebaut ist, umso schwerer fällt es den Probanden sich auf eine Struktur zu einigen.
  2. Durchführung
    Für Einzelsitzungen sollte eine Stunde eingeplant werden – für Gruppensitzungen 1,5 bis 2 Stunden. Nach einer kurzen Einführung sollten die Probanden möglichst selbstständig vorgehen. Der Moderator darf den Probanden keine Entscheidung abnehmen, die verschiedenen Ansätze und Meinungen aber dokumentieren.
    Ziel sollte es immer sein, alle Objekte einzusortieren. Kommt ein Proband/eine Gruppe für bestimmte Objekte nicht zu einer Lösung, kann der Moderator diese aussortieren, um das Gesamt-Ergebnis nicht zu gefährden.

    Häufig bietet es sich an, die Probanden ihr eigenes Ergebnis bewerten zu lassen. Bei redundanten Objekten in verschiedenen Kategorien kann zusätzlich nach der Priorisierung gefragt werden.
  3. Auswertung
    Für die Auswertung ist es nötig die Ergebnisse der einzelnen Sitzungen miteinander zu vergleichen. Beim offenen Card Sorting stehen die Kategorien im Vordergrund. Im Idealfall haben die Probanden die Objekte ähnlich sortiert und lediglich die Benennung unterscheidet sich. Wurden unterschiedliche Gruppen gebildet, muss die Herangehensweise der einzelnen Probanden hinterfragt werden. Die zukünftige Struktur muss dann auf Grundlage dieser Herangehensweisen gebildet werden.

    Idealerweise wurden die Objekte beim geschlossenen Card Sorting den gleichen Kategorien zugeordnet. Ist dies nicht der Fall muss auch hier die Herangehensweise der Probanden hinterfragt werden und die Struktur auf dieser aufbauen.

    Ist das Ergebnis des Card Sortings sehr heterogen, insbesondere in Bezug auf die Herangehensweise, sollte überprüft werden, ob für unterschiedliche Nutzergruppen unterschiedliche Strukturen angeboten werden können.