Maßnahme: Zielgruppe und Kontext verstehen

Anwendung

Grundlage für die Bewertung eines Systems in Bezug auf die Usability ist Wissen über die Zielgruppe und den Kontext. Auch für Neu- oder Weiterentwicklung eines Systems ist dieses Wissen unumgänglich. Diese Maßnahme ist deshalb Basis für nahezu alle anderen Maßnahmen.

Beschreibung

Die Zielgruppe wird analysiert und mit ihren Eigenschaften beschrieben. Zum einfacheren Verständnis werden große und heterogene Zielgruppen in Nutzergruppen unterteilt.

Die Aufgaben der Benutzer, ihre Arbeitsmittel und die Umgebung beschreiben den Kontext. Die Maßnahme unterstützt deshalb bei der Sammlung und Analyse dieser Informationen.

Ergebnis

Das Ergebnis dieser Maßnahme ist eine detaillierte Beschreibung der Zielgruppe und des Kontexts. Zusammengefasst spricht man auch vom Nutzungskontext.

Die gesammelten Informationen werden analysiert und zusammengefasst. Extreme werden zusätzlich erfasst, so dass sie das Gesamtbild nicht verfälschen.

Je nach Ziel und Kontext können verschiedene Ergebnisformate gewählt werden. Für Neu- und Weiterentwicklungen bieten sich z.B. sehr konkrete und leicht verständliche Formate an, da die Informationen im weiteren Verlauf häufig und voraussichtlich von vielen unterschiedlichen Projektmitgliedern benötigt werden.

Vorgehen

Je nach Kontext, Ressourcen und der aktuellen Situation stehen verschiedene Möglichkeiten für das Vorgehen zur Verfügung:

  1. Beobachten im Feld
    vorgehen_kontext_beobachten Auswahlhilfe
    Sind alle Voraussetzungen erfüllt und stehen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung, sollte dieses Vorgehen favorisiert werden. Denn die Beobachtung direkt im Feld, also in der realen Umgebung der Zielgruppe, führt zu bestmöglichen Ergebnissen.

    Voraussetzungen
    • Die Beobachtung in der realen Umgebung ist möglich.
    Methoden
    • Methode: Contextual Inquiry
      Probanden mit möglichst heterogene Eigenschaften und Aufgaben.
    • Methode: Interview
      Integration in die Durchführung des Contextual Inquiry. Um nicht sichtbare Aspekte und subjektive Informationen zu erfassen.
    • Optional Methode: Persona
      Sinnvoll für große, unübersichtliche und zunächst abstrakte Zielgruppen.
    • Optional Methode: Use Cases
      Insbesondere sinnvoll, wenn ein bestehendes System optimiert werden soll. Außerdem wenn die Aufgaben für das Projektteam schwer greifbar sind.
  2. Befragen
    vorgehen_befragen Auswahlhilfe
    Dieses Vorgehen bietet sich an, wenn die Ressourcen (Zeit und Geld) knapp sind. Auch für die Überprüfung von bisherigen Erkenntnissen und Informationen kann dieses Vorgehen sinnvoll genutzt werden.

    Voraussetzungen
    • Die Zielgruppe ist verfügbar.
    Methoden
    • Methode: Probandenakquise
      Min. 6 Probanden mit möglichst heterogene Eigenschaften und Aufgaben. Je heterogene die Zielgruppe ist, desto mehr Probanden werden benötigt.
    • Methode: Interview
      Variante: Halb-Standardisierte Erhebung und neutraler Stil. Für eine Probandenanzahl > 20 bieten sich die Variante: Standardisierte Erhebung an und die Durchführung als Fragebogen.
    • Optional Methode: Persona
      Sinnvoll für große, unübersichtliche und zunächst abstrakte Zielgruppen.
    • Optional Methode: Use Cases
      Insbesondere sinnvoll, wenn ein bestehendes System optimiert werden soll. Außerdem wenn die Aufgaben für das Projektteam schwer greifbar sind.