Maßnahme: Bedienprobleme aufdecken

Anwendung

Diese Maßnahme kann als Basis für die Optimierung eines Systems angesehen werden. Sie erfasst den aktuellen Stand des Systems in Bezug auf die Usability und zeigt Potential für Optimierungen auf. Es spielt keine Rolle ob ein aktuelles System oder eines in der Entwicklung untersucht werden soll.

Auch als Basis für die Neu- oder Weiterentwicklung eines Produkts kann die Maßnahme sinnvoll genutzt werden.

Beschreibung

Unterschiedliche Methoden werden so kombiniert, dass möglichst viele Bedienprobleme aufgedeckt werden. Grundlage dafür ist das System, ein Prototyp oder eine Konzeptskizze. Idealerweise werden Probanden aus der Zielgruppe einbezogen. Ist dies nicht möglich, können andere Methoden genutzt werden.

Ergebnis

Das Ergebnis dieser Maßnahme ist ein Überblick der Bedienprobleme mit dem System.

Je nach Ziel und weiterem Vorgehen, können die Ergebnisse unterschiedlich strukturiert und aufbereitet werden. Häufig bietet sich z.B. eine Einteilung in Schweregrade ein. Auch die Kategorisierung nach Problembereichen ist in vielen Fällen sinnvoll. Wird das Produkt von vielen oder stark unterschiedlichen Nutzergruppen genutzt, ist zudem ein Vergleich der Ergebnisse für die verschiedenen Gruppen sinnvoll.

Ist im Anschluss an diese Maßnahme die Optimierung des Systems geplant, bietet sich außerdem eine Bewertung in Bezug auf den Optimierungsaufwand an. Für diesen Fall kann zuvor die Maßnahme: Optimierungsvorschläge ausarbeiten notwendig sein.

Vorgehen

Je nach Kontext, Ressourcen und der aktuellen Situation stehen verschiedene Möglichkeiten für das Vorgehen zur Verfügung:

  1. Tests im Labor mit Benutzern
    vorgehen_probleme_benutzerlabor Auswahlhilfe
    Sind alle Voraussetzungen erfüllt und stehen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung, sollte dieses Vorgehen favorisiert werden. Denn die Einbeziehung von realen Benutzern führt zu den besten Ergebnissen. Zudem kann durch die Tests eine große Anzahl an Bedienproblemen identifiziert werden. Eine Priorisierung ist ebenfalls relativ einfach möglich.

    Voraussetzungen
    • Das System oder der Prototyp stehen zur Verfügung.
    • Probanden der Zielgruppe können akquiriert werden.
    • Typische Aufgaben können formuliert werden.
    • Aufgaben lassen sich ohne den realen Kontext bearbeiten.
    Methoden
    • Methode: Probandenakquise
      Anzahl der Probanden ca. 6 pro Nutzergruppe. Möglichst heterogen innerhalb der jeweiligen Nutzergruppe.
    • Methode: Usability Test
      Gleicher Ablauf für alle Probanden.
    • Optional Methode: Interview
      Integration in den Ablauf des Usability Tests. Zu Beginn des Tests z.B. zu Vorerfahrungen, Erwartungen an das System etc.. Nach der Durchführung des UsabilityTest z.B. um zusätzliche Anregungen zu erhalten. Auch während der Durchführung kann ein Interview eingebaut werden, beispielsweise nach jeder Aufgabe. Dabei kann z.B. nach einer persönlichen Einschätzung der eigenen Leistung und der Schwere der Bearbeitung gefragt werden.
    • Optional Methode: Lautes Denken
      Integration in die Durchführung Usability Tests. Um die Gedankengänge der Probanden besser zu verstehen und mögliche Quellen für die Bedienprobleme aufzudecken.
    • Optional Methode: Eyetracking
      Integration in die Durchführung Usability Tests. Insbesondere dann sinnvoll, wenn Bedienprobleme auf Grund der Anordnung der Elemente vermutet werden.
  2. Experten Analyse
    vorgehen_probleme_experten Auswahlhilfe
    Können keine Probanden akquiriert werden oder steht noch kein Prototyp zur Verfügung, kann dieses Vorgehen angewandt werden.

    Voraussetzungen
    • Die Zielgruppe und der Nutzungskontext sind bekannt und beschrieben.
    • Es liegen Konzeptideen, das System oder ein Prototyp vor.
    Methoden
    • Methode: Cognitive Walkthrough
      Zusätzliche Voraussetzung: Typische Aufgaben können beschrieben und mit dem System/Prototyp bearbeitet werden.
      Diese Methode ist zu bevorzugen, da die tatsächlichen Abläufe untersucht werden können.
    • Optional bzw. Alternativ Methode: Heuristische Evaluation
      Als Option in Kombination mit der Methode Cognitiv Walkthrough kann diese Methode das Ergebnis vorstrukturieren und bereichern. In diesem Fall ist ein Experte für die Durchführung ausreichend. Wird die Methode als Alternative durchgeführt sollten 2 bis 3 Usability-Experten für die Durchführung der Methode herangezogen werden.